Sehr geehrte Damen und Herren
ich finde das Gästebuch der Stadt Lübtheen sehr interessant. Ich möchte
mich nicht zum politischen Umfeld bei Ihnen äußern, das wäre vermessen.
Aber ich möchte mich als Betroffener zum Problemkreis „Bergbau“
einbringen. Damit Sie wissen wer ich eigentlich bin stelle ich ein paar
Informationen vorweg. Mein Name ist Horst Bruchmann ehemaliger
Bürgermeister der Gemeinde Heuersdorf in Sachsen, die vom Bergbau
vernichtet wird. So wie ich Ihre Beiträge verstehe, besteht das Ansinnen
in Ihrer Region zukünftig Braunkohle zu fördern. Dies ist natürlich ein
Tatbestand der grundlegende Veränderungen in Ihrer Region mit sich
bringt. Hier entsteht Betroffenheit der gesamten in diesem Bereich
wohnenden Bevölkerung und darüber hinaus auch für die politisch
Verantwortlichen. Braunkohle wird üblicherweise im Tagebau gefördert.
Tagebau heißt ein in die Erde gegrabenes Loch, welches mehrere tausend
Hektar Fläche haben und bis zu einigen hundert Metern tief sein kann.
Welches Ausmaß ein bei Ihnen aufgeschlossener Tagebau haben wird kann
ich nicht einschätzen. Das hängt von der Lagerstätte ab. Unvermeidbar
ist jedoch, dass der Tagebau Landschaft vernichtet und das Grundwasser
unter die Sohle des Tagebaues abgesenkt werden muss, was einen viele
Quadratkilometer großen Grundwasserabsenkungstrichter nach sich zieht.
Welche Folgen daraus für Ihre Region entstehen sollten Sie sorgfältig
hinterfragen. Dies ist schon für die Abwägung der positiven und
negativen Wirkungen eines Bergbaubetriebes erforderlich.
Oft sind im Zuge des Bergbaues auch Ortsverlagerungen erforderlich. Dies
sind besonders kritische Themen bei der Abschätzung der Bergbaufolgen.
Hier sind menschliche Gemeinschaften betroffen, die in der Regel bei
Umsiedlungen zerstört werden. Hinzu kommt, dass diese Gemeinschaften die
besonderen Lasten des Bergbaues deutlicher persönlich zu spüren
bekommen, weil auch ihr Eigentum betroffen ist, welches der Bergbau für
seinen Betrieb erwerben und zerstören muss. Dieser Prozess spielt sich
gerade in Heuersdorf ab. Es ist ein Prozess, der mit außerordentlichen
seelischen Belastungen für die Betroffenen einhergeht. Dafür gibt es
keine Entschädigung oder Schmerzensgeld. Ältere Menschen können oft den
Heimatverlust nicht verkraften. Die schlimmste Folge ist der Tod.
Soweit einige Bemerkungen zu den Auswirkungen des Bergbaues. Es können
natürlich in diesem Rahmen bei weitem nicht alle Probleme, die im
Gefolge des Bergbaues auftreten, beschrieben werden. Dies erfordert auch
eingehende Untersuchungen der örtlichen Verhältnisse. Aber ich hoffe,
ich konnte Ihnen deutlich machen unter welcher Verantwortung Ihre
Politiker und Ihre Bevölkerung steht, einer Bergbauförderung in der
Region zuzustimmen oder diese abzulehnen.
Im Falle einer Ablehnung stehen Sie einer mächtigen Bergbaulobby
gegenüber, die mit dem Bundesberggesetz ein übermächtiges Instrument
gegen das Eigentum des Einzelnen in der Hand hat. Dieses Gesetz ist ein
Überbleibsel aus der Zeit, wo gesichert werden sollte, dass die
Kriegsmaschinerie des dritten Reiches unabhängig von Energieimporten
funktioniert. Es lohnt also nicht Hick – Hack gegen Vereine, Personen
oder Gruppen zu veranstalten, sondern hier ist Einigkeit der politisch
Verantwortlichen mit der gesamten betroffenen Bevölkerung gefragt. Für
die Region steht viel auf dem Spiel. Ich wohne in einer Region in der
fast 100 Jahre der Bergbau umging und heute noch umgeht. Sie ist
zerstört, muss eine hohe Arbeitslosigkeit hinnehmen, hat permanenten
Investorenmangel, kostet enorme Summen um Bergbaufolgen zu lindern und
muss mit den nicht abwendbaren Langzeitbergbaufolgen leben.
Hier schließt sich eigentlich eine Diskussion über Sinn und Erfordernis
der Braunkohleförderung und Verbrennung an. Dieses Thema kann nicht in
diesem Rahmen diskutiert werden. Wir haben hierüber intensive Recherchen
durchgeführt, schon deswegen weil die Braunkohlenverbrennung auch ein
intensiver Faktor im Bereich der Klimabeeinflussung ist. Dieses Thema
wird der Menschheit in Zukunft mehr Kopfzerbrechen bereiten als ihr lieb
ist.
Ich möchte Ihnen allen und im Besonderen den Verantwortlichen Politikern
wünschen, dass Sie sich nicht zerstreiten und gemeinsam die für die
weitere Entwicklung Ihrer Region beste Lösung finden und anwenden.
Mit freundlichen Grüßen
Horst Bruchmann