Delegation aus dem Landkreis informierte sich bei der
Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG) über den
Abbau des Rohstoffes Braunkohle
Mitteldeutschland ist als Industriestandort seit vielen
Jahren bekannt. Wichtige landschaftsprägende Veränderungen
wurden durch den Aufschluss von Braunkohlentagebauen
durchgeführt. Eine kreisliche Delegation wollte diese
Veränderungen in Hinblick auf eine eventuelle Nutzung der
Diathomeenkohlelagerstätte im Raum Lübtheen in Augenschein
nehmen. Gegenwärtig werden dort vor Ort erste
Erkundungsbohrungen durchgeführt.
Auf Einladung der MIBRAG trafen sich am 14. Oktober im
Tagebau Vereinigtes Schleenhain Vertreter aus der Verwaltung
und Politik des Landkreises, um an eine Führung durch das
Braunkohlenkraftwerk Lippendorf und den Tagebau teilzunehmen.
Anwesend waren unter Leitung des Landrates Rolf Christiansen
Mitglieder der Verwaltung des Landkreises, Helmut Nitschke,
Dezernent im Amt für Raumordnung und Landesplanung
Westmecklenburg, Vertreter aus den Fraktionen des Kreistages
und der Stadtvertretung bzw.- verwaltung Lübtheen.
Das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf
Schon von Leipzig aus ist es, durch seine beiden 174,5
Meter hohen Kühltürme und deren riesigen Dampfwolken sichtbar
- das Braunkohlenkraftwerk Lippendorf, das modernste
Braunkohlenkraftwerk der Welt. Das Kraftwerk wurde auf dem
Gelände des alten Industriegebietes Böhlen als Neubau 1995 von
einem Konsortium aus den Elektrizitätsversorgungsunternehmen
Bayernwerk AG, EnBW Energie Baden-Württemberg AG und VEAG
Vereinigte Energiewerke AG (heute Vattenfall Europe Generation
AG & Co. KG) für ca. 4,8 Milliarden DM errichtet. In den
Jahren 1999 und 2000 gingen jeweils einer der beiden Blöcke
mit 933 MW in Betrieb.
Betriebsleiter Joachim Kahlert empfing die Delegation im
Informationszentrum des Braunkohlenkraftwerkes und hielt einen
interessanten Vortrag über die Geschichte des Konsortiums und
des Kraftwerkes, den er eindrucksvoll mit zahlreichen Daten
und Fakten unterlegte.
Im Anschluss daran erfolgte ein Rundgang durch das
Kraftwerk. Herr Dornberg erläuterte den Gästen, wie mit
modernster Technik aus Braunkohle Strom erzeugt wird, welche
über eine 14 Km lange Bandanlage aus dem Tagebau Schleenhain
kommt. Bei Volllastbetrieb werden täglich 35.000 Tonnen
Rohbraunkohle benötigt. Für die Dampferzeugung und Kühlung
wird aus dem Speicherbecken Witznitz das Wasser gepumpt.
Der Wasserbedarf wird durch Mehrfachnutzung so gering wie
möglich gehalten. Ein Teil des nicht mehr benötigten Dampfes
wird zur Heizwasseraufwärmung genutzt, welches über eine 15 Km
lange Trasse in das Versorgungsnetz der Stadt Leipzig
eingespeist wird. 50% des Fernwärmebedarfes der Stadt Leipzig
wird auf diese Weise abgedeckt. Auch Böhlen und Neukieritzsch
werden so versorgt.
Die bei der Verbrennung der Braunkohle anfallende Grob- und
Flugasche werden im Tagebau Peres zur Stabilisierung der
Böschung genutzt und kleinere Mengen davon werden in der
Bauindustrie als Zuschlagstoffe verwendet.
In der Rauchgasentschwefelungsanlage wird in einem
chemischen Prozess das Schwefeldioxid in Gips umgewandelt,
welcher ebenfalls der Industrie zugeführt wird.
Durch den Einsatz modernster Technik im Kraftwerk
Lippendorf ist eine spürbare Entlastung der Umwelt
eingetreten. Obwohl täglich große Mengen Braunkohle verbrannt
werden, ist nie eine Rauchwolke über dem Kraftwerk sichtbar.
Ein Schornstein ist auch nicht sichtbar. Schwefelanteile
werden zu 95 % und Staub sogar zu 99,89 % aus dem Rauchgas
entfernt. Die Entstehung von Stickoxid wird wesentlich
vermindert. Danach wird das gereinigte Rauchgas über die
Kühltürme abgeleitet.
Vom Kraftwerk aus ging es weiter zum nahe gelegenen
Braunkohletagebau Schleenhain.
Der Tagebau Vereinigtes Schleenhain
Die Rundfahrt, welche fachlich begleitet wurde von Bernd
Heggemann, Direktor Recht der MIBRAG, und Horst Schmidt,
Direktor Bergbau der MIBRAG, begann am neu geschaffenen
Aussichtspunkt im Tagebau. Dort wurden wichtige Fakten rund um
den Tagebau vermittelt. In dem neuen Tagebau Vereinigtes
Schleenhain sind die Abbaufelder Schleenhain, Peres und
Groitzscher Dreieck zusammengefasst. Peres wird im Jahr 2015
und das Groitzscher Dreieck 2030 geöffnet werden. Heute können
im Tagebau ca. 10 Millionen Tonnen Rohbraunkohle pro Jahr
gefördert werden. Wie bereits erwähnt ist das Kraftwerk
Lippendorf der Abnehmer der Rohbraunkohle.
Hinsichtlich der Qualität liegt die mitteldeutsche
Braunkohle in vielen Punkten vor der Braunkohle, die in der
Lausitz bzw. im Rheinischen Braunkohlenrevier gefördert wird.
Unschlagbar gut ist zum Beispiel das Verhältnis von Kohle zu
Abraum. Mit dem entstehenden Abraum werden die Innenkippen neu
gestaltet. Als nächstes wurde ein Schaufelradbagger aus
unmittelbarer Nähe besichtigt. Da wurde einem wieder bewusst,
wie klein doch der Mensch im Gegensatz zu dem technischen
Gerät ist, welches er zu beherrschen vermag.
Die Fahrt ging weiter entlang der Bandanlagen, die sich
insgesamt über knapp 40 km erstrecken, zum Kohlemisch- und
Stapelplatz (KMS). Die Rohbraunkohle wird hier zerkleinert,
gemischt und zwischengelagert, bevor sie weiter zum Kraftwerk
geleitet wird. Interessant ist, dass am KMS kein Mensch mehr
arbeitet. Nur noch zu Kontrollzwecken wird er regelmäßig
aufgesucht. Das Ende der Rundfahrt bildete ein Besuch im
Leitstand, von hier aus wird der gesamte Tagebau mit Video und
Computern überwacht.
Anschließend ließen es sich die Gastgeber nicht nehmen mit
den Besuchern persönlich alle Fragen zu beantworten. In
lockerer Runde wurde über einen möglichen Abbau des
Rohstoffaufkommens Diathomeenkohle in Lübtheen und deren
Auswirkungen für die Region geredet und die Rolle der
Braunkohle in unserer zukünftigen Energieversorgung dargelegt.
Zum Stand der Erkundungsarbeiten in der
Diathomeenkohlelagerstätte Lübtheen standen als kompetente
Gesprächspartner Dr. Andreas Berkner, zuständiger
Regionalplaner, und Gutachter Dr. Peter Jolas von der MIBRAG
zur Verfügung.
Fazit
Es bleibt zu hoffen, dass solche Veranstaltungen auch in
Zukunft stattfinden, vor allem um die Gemeinden rechtzeitig
über die Erkundungsarbeiten zu informieren. Auch die MIBRAG
mbH legt großen Wert auf die Kommunikation, erhöht das doch
die Transparenz und Akzeptanz der erforderlichen Maßnahmen.
Und es war ja nicht zu übersehen, dass ein eventueller
Tagebaubetrieb die Region Lübtheen prägen wird. Ein positives
Miteinander ist deshalb unabdingbar.
Abschließend bleibt festzustellen, dass der heimische
Rohstoff Braunkohle langfristig ein wettbewerbsfähiger und
kostengünstiger Energieträger in der Grundlaststromversorgung
bleibt und durch eine vorbildliche Rekultivierung neue
Erholungs- und Erlebnisbereiche schafft.
Es war eine interessante Exkursion, wozu sicher auch die
freundliche Aufnahme und die fachkundige Führung der MIBRAG
beigetragen haben.